Multifokallinsen bei Alterssichtigkeit

In Anlehnung an die multifokalen Brillengläser und multifokalen Kontaktlinsen gibt es auch Mehrstärkenimplantate zur Behandlung von Alterssichtigkeit (Altersweitsichtigkeit, Presbyopie), die anstelle der körpereigenen Linse in das Auge implantiert werden. Dieses Verfahren, bei dem die körpereigene Linse gegen eine Multifokallinse ausgetauscht wird, bezeichnet man als „Presbyopic Lens Exchange“ oder kurz PRELEX. Die Behandlung ist gleich der Behandlung des Grauen Stars und wird auch bei nicht Vorliegen einer Linsentrübung auch „Clear Lens Exchange“ (CLE) genannt.

Der Unterschied liegt im Implantat, welches die körpereigene Linse ersetzt: Anstelle einer einfachen Intraokularlinse wird eine aus mehreren Ringen mit unterschiedlicher Brechkraft aufgebaute multifokale Kunstlinse, die ein Nah- und ein Fernbild auf die Netzhaut projiziert, in das Auge implantiert. Durch die Verteilung des einfallenden Lichtes auf mehrere Brennpunkte ermöglicht die multifokale Linse ein scharfes Sehen in alle Entfernungen bei Alterssichtigkeit (Altersweitsichtigkeit, Presbyopie).

Mit einer Multifokallinse werden verschieden breite konzentrische Ringe „übereinandergelegt“. So entstehen verschiedene Sehzonen bzw. Brennweiten, aus denen das Gehirn die richtige Sehzone auswählt und bei Alterssichtigkeit (Altersweitsichtigkeit, Presbyopie) ein scharfes Sehen für die Ferne und Nähe ermöglicht.
Multifokallinsen erzeugen mehrere Brennpunkte, mindestens einen für die Ferne und einen für die Nähe. Diese Linsen versprechen also eine scharfe Sicht für Fern- und Nahbereiche.

Die ersten multifokalen Intraokularlinsen zur Behandlung von Alterssichtigkeit (Altersweitsichtigkeit, Presbyopie) wurden bereits vor etwa 10 Jahren entwickelt. Die Sehqualität, die mit diesen Vorläufer-Modellen erzielt wurde, war eher mäßig: Die Patienten klagten unter anderem über starke Blendungseffekte, die sogar so dramatisch sein konnten, dass eine Explantation nötig wurde. Auch der Wunsch nach Brillenfreiheit ging nur bei einem geringen Prozentsatz in Erfüllung. Die meisten Patienten waren trotz teurer Multifokallinse immer noch auf mindestens eine Brille angewiesen. Aufgrund dieser schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit raten viele Augenärzte noch heute von der Implantation einer Mutifokallinse ab – obwohl neueste optische Systeme inzwischen eine gute Sehqualität ermöglichen.

In klinischen Untersuchungen waren durch die sogenannte ReSTOR-Technologie 80 Prozent der Patienten mit Alterssichtigkeit (Altersweitsichtigkeit, Presbyopie) nach beidseitiger Implantation völlig brillenfrei. In allen anderen Fällen war nur noch eine leichte Brillenunterstützung (Lesebrille) notwendig. Darüber hinaus bietet diese Linse ein ähnlich gutes Kontrastsehen wie die Monofokallinsen und eine geringe Blendempfindlichkeit im Vergleich zu den älteren Multifokallinsen-Modellen. Sogar die Sehqualität im Intermediärbereich, also in 50 bis 70 cm Entfernung, ist wesentlich verbessert. Das schafft gute Bedingungen für Autofahren und Bildschirmarbeiten.

Multifokallinsen sind nur für Augen geeignet, die eine sehr geringe Hornhautverkrümmung aufweisen (bis 1,5 Dioptrien). Es wird zwar auch eine Multifokallinse angeboten, die eine Hornhautverkrümmung ausgleichen soll, dazu gibt es aber noch keine repräsentativen Ergebnisse. Multifokallinsen „verbrauchen“ durch ihr optisches System Lichtenergie. Das führt dazu, dass die absolute Sehleistung unter der monofokalen Linse liegt.
Multifokallinsen sind geeignet für Menschen, die gut räumlich sehen können und keine starke Hornhautverkrümmung haben.